Europa braucht eine umfassende Gesetzgebung für Ladeinfrastruktur

Innovation Ladeinfrastruktur | 10.05.2021

Christopher Burghardt
Managing Director, Europe
ChargePoint_ChargeUpEurope

Wird sich die EU der Herausforderung stellen - und den richten Weg einschlagen?

Am Dienstag, den 5. Mai, hatte ich die Gelegenheit, am jährlichen Petersberger Klimadialog teilzunehmen. Da die COP 26 kurz bevorsteht, gab es viel zu besprechen. Und da der Straßenverkehr 10 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortet, waren Elektrofahrzeuge wieder ein heißes Thema.

Der Privatsektor arbeitet hart daran, die Zukunft der Elektrofahrzeuge einzuläuten. Aber wir können nur so effektiv sein wie die Infrastruktur, die uns umgibt. Autohersteller können die perfekten Fahrzeuge entwerfen, und ChargePoint kann hochmoderne Ladelösungen entwickeln, doch ein echter Wandel wird nur dann stattfinden, wenn Kunden auf eine nahtlose Nutzererfahrung zählen können. Das bedeutet einfachen und reichlichen Zugang zu Ladestationen, harmonisierte technische Regeln und Interoperabilität sowohl innerhalb als auch zwischen Ländern. Eine robuste Ladeinfrastruktur für elektrische Fahrzeuge erfordert eine starke Zusammenarbeit zwischen Politik und Industrie.

Die EU hat die Macht den Ton anzugeben

Obwohl es für alle Regierungen weltweit wichtig ist, Maßnahmen zu ergreifen, ist die Europäische Union in einer einzigartigen Position, um den Weg zu ebnen. Nur wenige Institutionen auf der Welt haben die außerordentlich effiziente, weitreichende, multinationale Regulierungsmacht wie die EU.

Diese Institution schaffte Roaming-Gebühren für Mobiltelefone in 30 Ländern im Handumdrehen ab. Sie führte die umfassendste Datenschutzverordnung der Geschichte (die DSGVO) ein. Man kann getrost sagen: wenn die EU sinnvolle Änderungen durchsetzen will, kann sie das auch. Und wir sind überzeugt, dass es jetzt Zeit für eine weitere entscheidende Änderung ist.

Wenn wir die Dekarbonisierung des Straßenverkehrs auf dem gesamten Kontinent - geschweige denn auf dem Planeten - wirklich beschleunigen wollen, muss die Europäische Union einen ehrgeizigen Ansatz verfolgen und eine neue, eigenständige Gesetzgebung für die Ladeinfrastruktur von Elektrofahrzeugen schaffen.

Eine Gesetzgebung, keine Richtlinie

Die wenigen vorhandenen Maßnahmen sind Teil der Alternative Fuels Infrastructure Directive (AFID), die jedoch durch ihre bruchstückhafte Natur limitiert wurde und gegensätzlich zum freien Verkehrsmodell in Europa steht. Im Jahr 2014 verabschiedet, versuchte die AFID, die bestehende Infrastruktur in Europa zu regulieren. Sie überließ es jedoch den Mitgliedsstaaten, eigene nationale politische Rahmenbedingungen zu schaffen, und stellte elektrische Fahrzeuge auf die gleiche Stufe wie jede andere Art alternativer Energie.

Angesichts der enormen Investitionen in die Elektromobilität und des ehrgeizigen Ziels, 30 Millionen E-Fahrzeuge bis 2030 in Europa zu verkaufen, ist das Laden von E-Fahrzeugen längst aus der Rolle einer alternativen Art zu tanken herausgewachsen. Elektromobilität ist die Zukunft und muss jetzt als Mainstream behandelt werden. Es ist an der Zeit, der Elektromobilität einen echten Wachstumspfad innerhalb eines eigenen regulatorischen Rahmens zu geben. Alles andere würde bedeuten, den Klimaschutz nicht ernst zu nehmen.

Im Gegensatz zu einer EU-„Richtlinie", die den Ball an die lokalen Regierungen weitergibt und letztlich in einen Flickenteppich von länderspezifischen Gesetzen mündet, hat eine gesetzliche Verordnung verbindliche Rechtskraft in allen Mitgliedsstaaten und tritt zu einem bestimmten Datum in Kraft. Und genau das wird jetzt gebraucht.

Im Namen von ChargeUp Europe habe ich kürzlich einen Brief an die Europäische Kommission geschickt, in dem ich diese Probleme hervorhebe und eine spezifische Gesetzgebung für Ladeinfrastruktur fordere. Sie können ihn hier lesen.

ChargePoint-and-ChargeUpEurope

Die Zeit ist reif - und die Finanzierung ist da

Derzeit werden 82 Prozent der EU-Ladeinfrastruktur von drei Mitgliedsstaaten genutzt: Deutschland, Frankreich und die Niederlande. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, und es wird ein ernsthaftes Engagement aller erfordern, um das Richtige zu tun.

Eins sei gesagt: Die Grundlagen sind vorhanden. Europa hat die Nachfrage, die Fahrzeuge, die Technologie und die Dienstleistungen. Zudem haben wir umfassende Möglichkeiten, diesen Übergang zu finanzieren. Als Teil des Europäischen Konjunkturprogramms hat die EU ein enormes Budget in Höhe von 1,8 Billionen Euro geschaffen, mit dem Ziel, „ein grüneres, digitaleres und widerstandsfähigeres Europa" nach COVID-19 aufzubauen. Es ist das größte Konjunkturpaket, das jemals auf EU-Ebene finanziert wurde. Wir sind der Überzeugung, dass diese Investition unbedingt genutzt werden muss, um eine zuverlässige elektrische Ladeinfrastruktur zu entwickeln, die durch eine wirksame Gesetzgebung unterstützt wird.

In den letzten Jahrzehnten wurde viel über den Umgang mit CO2 gesprochen, doch nur langsam folgten Taten. In einem ständigen Kreislauf von Unentschlossenheit und Enttäuschung über den Klimawandel ist dies Europas Chance, einen großen Schritt zu machen und zu zeigen, wie es geht.

Die Welt schaut zu.


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